Projektworkshops

- © Hamburger Umweltzentrum/BUND
Am Nachmittag des zweiten Konferenztages hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit an einem Workshop teilzunehmen, der von Projekten der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Region Bonn gestaltet wurde. Ziel war es, den internationalen Austausch zu guter BNE-Praxis zu stärken. Die Workshops wurden von offiziellen deutschen Dekade-Projekten organisiert und machten es möglich im Rahmen von Diskussionen und anhand praktischer Erfahrungen, Projektbeispiele aus Deutschland kennen zu lernen. Als Ergänzung wurden Präsentationen und Rundgänge durch die Projektgelände angeboten. Die Projektworkshops boten darüber hinaus Raum für informellen Austausch zwischen Repräsentanten der Projekte und Konferenzteilnehmern. Alle Projektworkshops wurden in englischer Sprache durchgeführt, eine französische Simultanübersetzung wurde ebenfalls angeboten.
I - Relevanz von BNE für die zentralen Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung
Wasser als Quelle des Lebens: Von der traditionellen Bachexkursion zur innovativen Bachpatenschaft von Schulen, Bonn
Dieser Workshop wurde von Projekten durchgeführt, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Wissen über Wasser als Quelle des Lebens zu verbessern. Die Workshopteilnehmer wurden in kleinere Gruppen eingeteilt und rotierten zwischen drei Stationen. Das Erich Klausener Gymnasium präsentierte sich in seiner mehr als zehnjährigen, aktiven Rolle als Bachpate: Sowohl in der schulischen Umgebung als auch in der freien Natur wurden wassertechnische, umgebungsbezogene und kulturhistorische Probleme thematisiert und bearbeitet. Als zweite Station bot der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) mit der Teilnahme an Experimenten und Übungen sowie methodenbasierten und praxisbezogenen Aktivitäten die Möglichkeit, praktische Bildungserfahrungen mit Wasser zu sammeln. Das NEPTUN-Projekt (new partnership for transnational understanding and co-operation in water management) lieferte mit der Entwicklung von Konzepten, Lehrplänen und Lernzusammenhängen, basierend auf den Erfordernissen der Europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie (WFD) als dritte Station einen Beitrag zur professionellen Fortbildung im Wassermanagement.
Wasser: Qualität und Forschung – Das Schiff Burgund als schwimmendes Klassenzimmer, MS Burgund auf dem Rhein
Dieser Projektworkshop wurde vom Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz geleitet und fand auf dem Forschungsschiff „MS Burgund“ auf dem Rhein statt. Spielerisch und aktiv führten die Workshopteilnehmer für Schüler entwickelte Experimente durch. Einzelne Lernstationen mit unterschiedlichsten Übungen und Materialien, die insbesondere als Lehr- und Lernkonzept für die Sekundarstufe konzipiert wurden, sind den Workshopteilnehmern präsentiert worden. Die Stationen wurden von Experten, beispielsweise Kapitän oder Schiffsführer, begleitet. Der Projektworkshop zielte darauf ab, den Teilnehmern die Arbeit eines „Laborassistenten“, „Gewässerbiologen“, „Forschers“ und „Schiffkapitän“ nahe zu bringen.
Biologische Vielfalt und Bildung für nachhaltige Entwicklung, Botanische Gärten der Universität Bonn, Bonn
Botanische Gärten bringen ihren Besuchern auf vielfältige Weise die Natur nahe. Diese Bildungsarbeit leisten auch die Botanischen Gärten der Universität Bonn, das mit einem Projekt an der UN-Dekade beteiligt ist. Der angebotene Workshop thematisierte sowohl den Erhalt von Arten und Lebensräumen als auch deren nachhaltige Nutzung. Anhand verschiedener botanischer Stationen diskutierten die Teilnehmer, wie das Wissen über diese biologische Vielfalt in die Bildung für nachhaltige Entwicklung integriert werden kann. Der Projektworkshop wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), den Botanischen Gärten der Universität Bonn und der Internationalen Weiterbildungs- und Entwicklungs GmbH (InWEnt) durchgeführt. Der Botanische Garten rund um das Poppelsdorfer Schloss in Bonn ist einer der ältesten Botanischen Gärten der Welt. Mehr als 10.000 Pflanzenarten, darunter Tropenpflanzen, Mangroven und Kakteen, werden heute kultiviert.
Nachhaltigkeit lernen durch Wald- und Naturerlebnispädagogik-Beispiele guter Praxis in Deutschland, Deutscher Jagdschutzverband, Bonn
Der Wald ist ein idealer Ort, um das Prinzip der Nachhaltigkeit zu demonstrieren. Den Stoff für die vielfältigsten Themen liefert die Natur. Das „Begreifen“ im besten Sinne des Wortes und der Grundsatz von Pestalozzi des Lernens mit Kopf, Herz und Hand bilden bislang den Kern der Waldpädagogik. Sie ist ein Beispiel für die Mischung mehrerer Vermittlungsmethoden und zeigt ein Potenzial, die notwendigen Kompetenzen zur Gestaltung nachhaltiger Entwicklung zu vermitteln. Zudem wird das Prinzip der Nachhaltigkeit am Beispiel der Waldnutzung (z. B. Forst und Jagd) verdeutlicht. Innovative Projekte erweitern das Nachhaltigkeitsverständnis, in dem sie es als Aushandlungsprozess zwischen ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Faktoren verstehen. Der „Workshop Wald“ zeigte an vier praxisorientierten Projekten beispielhafte Einsatzfelder der waldbezogenen Bildungsarbeit für ein fächerübergreifendes außerschulisches Bildungsangebot.
II - Etablierung von Partnerschaften für BNE
Von der Forschung zur Aktion: Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Hochschulbildung, Deutscher Akademischer Austausch Dienst, Bonn
Anlässlich einer Sommerschule des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) kamen 100 Experten aus verschiedenen Entwicklungsländern zusammen, um zu diskutieren, wie sich Universitäten aktiv den Herausforderungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung stellen können und wie sie gezielt auf Nachhaltigkeit hin umstrukturiert werden können. Um verschiedene Erfahrungen anzusprechen und um kulturelle und regionale Belange zu betonen, wurden zwei Themen präsentiert: „Nachhaltige Entwicklung als Strategie und Ziel von Hochschulbildung“ (Universität Lüneburg) und „Von Forschung zur Praxis: Die Rolle der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Forschung, Bildung und internationale Kooperationen im Rohstoffmanagement“ (Universität Greifswald). Grenzübergreifende Bildung und kulturübergreifende Erfahrungen wurden interaktiv mit den Konferenzteilnehmern diskutiert. In Kooperation mit der United Nations University (UNU) sah sich der Workshop als Plattform für die Weiterbildung internationaler Experten in diesem Bereich. Durch die Sommerschulen strebte der DAAD die Förderung eines interdisziplinären und ganzheitlichen Ansatzes im Feld der BNE an.
Bildung für nachhaltige Entwicklung und die sozialökonomische Dimension: Eine Herausforderung zwischen sich verändernden Verhaltens- und Konsummustern, Deutscher Akademischer Austausch Dienst, Bonn
Anlässlich einer Sommerschule des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) kamen 100 Experten aus verschiedenen Entwicklungsländern zusammen, um zu diskutieren, wie Universitäten sich aktiv den Herausforderungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung stellen können und wie sie gezielt auf Nachhaltigkeit hin umstrukturiert werden können. Um verschiedene Erfahrungen anzusprechen und um kulturelle und regionale Belange zu betonen, wurden zwei Themen präsentiert: „Armut und soziale Ungleichheit in der Bildung und seine Auswirkungen auf nachhaltige Entwicklung“ (Universität Kassel) und „Nachhaltigkeit in organischen Chemielaborkursen“ (Universität Braunschweig). Grenzübergreifende Bildung und kulturübergreifende Erfahrungen wurden interaktiv mit den Konferenzteilnehmern diskutiert. Der Workshop sah sich als Plattform für die Weiterbildung internationaler Experten in diesem Bereich. Durch die Sommerschulen strebte der DAAD die Förderung eines interdisziplinären und ganzheitlichen Ansatzes im Feld der BNE an.
Wie erreichen wir globale Gerechtigkeit? Methoden und Instrumente zur Förderung globaler Kompetenzen und Verständnisses, InWent – Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH, Bonn
Der Projektworkshop lud die Teilnehmer zu einem direkten Dialog ein: Im Rahmen des Workshops lernten die Teilnehmer unterschiedliche Zugänge zu Bildung für nachhaltige Entwicklung kennen. Diese deckten jeweils verschiedene Ziel- und Altersgruppen, darunter Personen mit Behinderungen, ab. Alle Teilnehmer hatten die Gelegenheit, verschiedene Methoden und Instrumente zum Erreichen eines interessanten interkulturellen und generationsübergreifenden Dialoges kennen zu lernen. Ergänzt wurde der Workshop durch eine Ausstellung, die diese unterschiedlichen Methoden und Instrumente aufzeigt.
III - Kompetenzaufbau im Bereich BNE
BNE und ICT: Multimediales Lernen, Wissenschaftsladen, Bonn
Multimedia und das Lernen mit Computern wird Tag für Tag wichtiger. In diesem Projektworkshop wurden verschiedene Modelle des multimedialen und computergestützen Lernens für BNE vorgestellt. Im Rahmen einer Ausstellung und im Austausch mit Projektvertretern hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Näheres über die unterschiedlichen Projekte zu erfahren und praktische Erfahrungen zu sammeln. Abschließend fand eine Diskussion über den Prozess des multimedialen Lernens in den verschiedenen Ländern statt.
Informelle Bildung für nachhaltige Entwicklung durch experimentelles Lernen, Finkens Garten, Köln
Finkens Garten ist ein ökosozialer, natürlicher Garten mit 50.000m2, in dem Vor- und Grundschulkinder Natur mit allen Sinnen praktisch erleben können. Im Rahmen des Projektworkshops fanden sowohl eine Führung durch das Gelände von Finkens Garten als auch die Vorstellung der vier Partnerprojekte von der Stadt Aalen, der Universität Aalen, dem BUND-Center Heilbronn und der Gesellschaft für Umwelterziehung Baden-Württemberg statt. Die Teilnehmer tauschten ihre Erfahrungen über die Ausrichtung von BNE auf das Erleben aus. Darüber hinaus wurde überlegt, wie das Interesse von Menschen aller Altersklassen für Umweltthemen mithilfe experimentellen Lernens durch Entdecken und Aktion geweckt werden kann, beispielsweise durch Sähen, Pflanzen, Forsten sowie über sinnliche Erfahrungen wie Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Fühlen, also in Kontakt mit natürlichen Elementen wie Luft, Erde, Wasser.
Informelle Bildung für nachhaltige Entwicklung in Besucherzentren, Ausstellungen und bei Naturerlebnisaktionen, NaturGut Ophoven, Leverkusen
Dieser Projektworkshop konzentrierte sich auf informelles Lernen. Drei Stationen beschäftigten sich mit BNE in Form von Ausstellungen und Naturerlebnisaktionen. Die Internationale Wadden Sea School (IWSS) ist ein Bildungsprogramm für Schulklassen aus den Wattenmeerländern Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Mit Hilfe des Programms wurde die Idee eines transnationalen und grenzüberschreitenden Ansatzes zum Schutz des Wattenmeeres der jüngeren Generation nahe gebracht. Die Germanwatch Klimaexpedition bringt mithilfe von live empfangenen Satellitenbildern Klimaveränderungen, Auswirkungen und Lösungswege in den Klassenraum. Beim Beobachten der Erde aus dem All kann die Situation des Polareises, von Gletschern, Seen, des Regenwaldes und anderen Ökosystemen von früher mit heute verglichen werden. Der Projektworkshop fand im NaturGut Ophoven, einem der größten außerschulischen Umweltbildungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, statt. Das NaturGut beherbergt eine große innovative Ausstellung zum Thema Energie sowie Naturanlagen mit Schauräumen von mehr als 60.0000m2. Es arbeitet mit Schulen, Kindergärten und Erwachsenen zusammen.
IV - BNE und der Lehr- und Lernprozess
UNESCO-Projektschulen für Bildung für nachhaltige Entwicklung, Robert-Wetzlar-Berufskolleg, Bonn
Das deutsche Netzwerk der UNESCO-Projektschulen hat 192 Mitgliedsschulen aller Schultypen und Altersstufen. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen bei den Themen Menschenrechte, Frieden und demokratische Bildung, interkulturelles Lernen, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Welterbe-Bildung. Die Schulen verwenden dabei Methoden wie beispielsweise offene Schulen, interdisziplinäre Arbeit oder Projekte mit verschiedenen Altersklassen, um die Ziele und Prinzipien der UNESCO in die Schulprogramme zu integrieren. Drei UNESCO-Projektschulen nahmen an den Projektworkshops in Bonn teil. Das Schillergymnasium Münster stellte das Solar Net International vor, eine Vereinigung zur Unterstützung interkultureller Austauschprojekte. Das Comenius Kolleg Mettingen präsentierte Gruppenaktivitäten für Erstsemester, die auf ökologischen Projekten deutsch-brasilianischer Kooperationen beruhen. Das Robert Wetzlar Berufskolleg als gastgebende Schule stellte Projekte über nachhaltiges Frühstück und barrierefreien Tourismus in der Region vor.
Vor-Konferenz der Internationalen Kinder- und Jugendkonferenz für die Umwelt (Brasilien 2010), Emilie Heyermann Realschule, Bonn
Das Projekt “50/50 – Energieeffizienz und regenerative Energie” der Emilie Heyermann Realschule in Bonn ist Teil der Agenda 21 an Schulen und offizielles deutsches Projekt der UN-Dekade. Schüler aus Bonn und aus Partnerschulen in Budapest (Ungarn) und Buchara (Usbekistan) führten gemeinsam Arbeitsgruppen über Klimawandel, Energieeffizienz, regenerative Energie, Müllvermeidung und Gewaltprävention durch. Die Workshops fanden als Schulkonferenz im Vorfeld der Internationen Kinder- und Jugendkonferenz für die Umwelt (Brasilien 2010) statt. Die Konferenz war eine pädagogische Kampagne, die sowohl die praktisch-aktive als auch umweltpolitische Dimension der Bildung zum Thema globale Verantwortung zusammenbrachte. Workshopteilnehmer diskutierten in einem direkten Dialog mit den Schülern die unterschiedlichen Projektideen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung in Arbeits- und Lebenswelt, House of NICA (Nachhaltigkeit in der chemischen Ausbildung), Hürth
Das House of NICA ist ein gemeinsamer Modellversuch des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), des Insituts für Ressourcenschonung, Innovation und Sustainability der Faschhochschule für Wirtschaft in Berlin (IRIS) und der Rhein-Erft-Akademie im Chemiepark Knappsack, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird. Ausgehend von Programmen der Chemieindustrie wie „Responsible Care“ zeichnet sich eine Entwicklung hin zu einem Leitbild nachhaltiger Unternehmenskultur ab. Dieses Ziel kann nur mit allen Beschäftigten umgesetzt werden. Das Pilotprojekt NICA versucht dieses abstakte Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung mit folgenden Teilprojekten in die Ausbildungspraxis umzusetzen: „Entwicklung und Erprobung von Modulen zum Thema Nachhaltigkeit“, „Indikatoren- und Kennzahlenmodell zur Messung Nachhaltigkeit“, „’House of NICA’ – Azubis bauen ein Nachhaltigkeitshaus“ und „Das zukunftsfähige Bildungsunternehmen“. Das Projekt wurde dabei von Berufsschülern präsentiert.
Stark starten: Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung, Kindergarten „Hand in Hand”, Oberhonnefeld
Dieser Projektworkshop sollte verdeutlichen, dass grundlegende Fähigkeiten und Kompetenzen bereits lange vor den ersten Schultagen angelegt werden können. Der Ansatz „Leben gestalten lernen” wurde bereits in die tägliche Arbeit mehrerer hundert Kindergärten in Deutschland eingeführt. Einer von diesen, der Kindergarten in Oberhonnefeld, diskutierte seine Arbeit zur BNE in der frühkindlichen Bildung mit den Teilnehmern und tauschte Ideen und Erfahrungen aus. Darüber hinaus wurde aufgezeigt, wie dieser Ansatz in Rheinland-Pfalz durch Information, Kooperation, Bildung, Unterstützung und Kreativität gefestigt wird.




